Tag Archives: Barroso

Neuer Fahrplan für die Barroso-2 Kommission

Morgen entscheidet das tschechische Verfassungsgericht über die Klage einiger Senatoren gegen den Lissabon Vertrag. Sollte das Gericht sein OK geben, kann Vaclav Klaus schon übermorgen unterschreiben. Wenn er denn möchte. Denn der alte Fuchs hat sich einen überaus aktiven Reiseplan für den November verordnet, so dass Beobachter sich fragen, ob er die Unterzeichnung damit noch weiter hinauszögern möchte.

Wie ginge es nach der Unterzeichnung weiter?

Der Vertrag tritt zum 1. des Folgemonats in Kraft – nach der Hinterlegung der unterschriebenen Ratifizierungsurkunden in Rom. Sollte Klaus mitspielen kann der Lissabon Vertrag also zum 1.12. in Kraft treten. Sollte sich dieser Fahrplan bestätigen, steht der 12.11. für einen informellen Sonder Gipfel im Raum, um das Personalpaket zu schnüren. Über dieses wurde auf dem Europäischern Rat letzte Woche nicht verhandelt (auch wenn die Spekulationen natürlich weiter gehen mit jedem Treffen). Die Regierungen werden informell die Ressortverteilung innerhalb der Kommission mit Barroso abstimmen, müssen aber formell drei Posten besetzen: den Präsidenten des Europäischen Rates, den Hohen Beauftragten und einen Ratsgeneralsekretär. Letztere waren bisher in Personalunion. Die Aufwertung des Hohen Vertreters (= Außenminister) wird wohl dazu führen, dass für die interne Organisation des Rates weniger Zeit bleibt und diese Rolle somit auch separat besetzt wird. Bisher ist sie auch faktisch stark vom stellvertretenden Generalsekretär des Rates, dem Franzosen Pierre de Boissieu ausgefüllt worden.

Sollten die Anhörungen der designierten Kommissare schnell verlaufen, könnte die komplette neue Kommission zum 1.1.2010 ihre Arbeit aufnehmen. Im EP werden dafür schon die Kalender gewelzt, um rechtzeitige Anhörungen noch vor der Weihnachtspause zu organisieren.

Overview of new EU Commission 2009-2014

Former CommissionsBack to business and to good old (coz it doesnt look like very innovative) EU politics. People keep on asking me who the new Commissioners will be and I should share my (non existing) insight here.

Besides the ongoing struggles of Barroso to get himself appointed, I assume Socialists and Liberals will eventually bow in and re-elect him as President already in September to send a signal to Ireland. This means that the Portugese portfolio is sorted. How does it look for other countries? I would divide up the table in three different groups: quasi-safe nominations, likely nominations and unpredictable races.

The already appointed

Belgium: Karel de Gucht, Flemish Liberal (ELDR), the Louis Michel replacement was nominated to stay, has 5-year experience as Belgian foreign minister
Portugal: Barroso (even though the government is leftist… but they remain happy to keep him away from Portugal so that the division in the conservative party continues), EPP

Likely nominiations

Estonia: Siim Kallas, Reform Party (ELDR), did a good, likes to continue and is apparently likely to be re-nominated
Finland: Olli Rehn, Center Party (ELDR) will continue; after doing a great job in the enlargement portfolio he hopes to become EU foreign minister and he might have chances, his re-appointment was part of the coalition agreement
France: Michel Barner, UMP (EPP) Continue reading

New anti-Barroso campaign – for new Commission President

Apparently a few PES activists have launched a good new Website “A-New-President.eu“. It has a similar message to the AnyoneButBarroso.eu initiative Jon and me started about two years ago.

Its main element is the petition (I have also signed):

The European Parliament will elect the next European Commission. We, the voters on June 7 do not only decide the composition of the European Parliament, we also decide upon the driving seat of the EU: The European Commission. The composition of the executive EU body – the European Commission – has to reflect the vote of us EU citizens on June 7.

We call for the PES to build a new progressive majority with a strong Commission President.

We demand respect for our democratic rights! We demand that the Presidency of the European Council makes sure that the European Governments nominate a Commission President that reflects the majority in the European Parliament.

Besides the petition the activists put up relevant information on the building up of the Commission and speculations about Barroso’s replacement. Continue reading

Zumutung Barroso

Commission President Barroso

Die FAZ schreibt heute über ein Interview, das Kommissionspräsident Barroso mehreren europäischen Zeitungen gegeben hat. Darin erklärt Barroso zu seinen Ambitionen auf ein erneutes Mandat als Kommissionspräsident:

Der Respekt vor dem Parlament, das vom 4. bis 7. Juni neu gewählt wird, gebiete es jedoch sich nicht schon jetzt zu einer Kandidatur zu äußern.

Wie bitte?! – Man stelle sich einmal vor, Angela Merkel würde erklären, dass sie ja noch nicht sagen kann, ob sie wieder Kanzlerin werden will, weil sie erst die Bundestagswahl abwarten möchte. Ja, was soll ich denn dann als Wähler machen? Erst die Wahl abwarten und dann wählen?! Es geht doch auch bei dieser Wahl natürlich nicht nur um die Wahlprogramme der Parteien sondern auch darum wer sie umsetzt. Aber wer denkt, dass er die zukünftigen Verantwortlichen für eben diese Umsetzung vor den Wählern verstecken muss, der darf sich auch nicht wundern, warum so wenige zur Wahl gehen.

Stefan Kornelius greift in seinem heutigen Kommentar in der Süddeutschen Zeitung noch einen anderen wichtigen Punkt auf: Nach 30 Jahren direkt gewähltest Parlament sollten die Parteien und “Eliten” endlich aufhören, Europa zu rechtfertigen. Sie sollen endlich mit dem Wahlkampf anfangen und ihre Inhalte in den Vordergrund stellen.

Übrigens: Es ärgert mich, Continue reading

SPD und EU-Steuer: Nicht fordern, machen!

Gestern lief über AFP die Meldung, dass SPD Fraktionschef Struck einen Brief an EU Kommissionspräsident Barroso geschrieben hat. Darin fordert Struck die Einführung einer EU-Steuer, am liebsten in Form einer Körperschafts-/Unternehmenssteuer. Ginge es nach der SPD sollten dann alle Unternehmen in der EU gleich besteuert werden.

Nun bin ich der Idee einer EU-Steuer ja überhaupt nicht abgeneigt und habe mich auch ziemlich gefreut, dass die SPD die Idee in ihr neues Grundsatzprogramm aufgenommen hat. Wenn man sich allerdings die Sache mal genauer anschaut, dann verfolgt SPD Finanzminister Steinbrück derzeit genau das Gegenteil von einer Politik zur Einführung einer EU-Steuer. Dass die SPD mit solch einer Schizophrenen Politik durchkommt, liegt wohl auch nur wieder daran, dass sich kein Journalist in EU-Fragen hinsetzt und die Stellungnahmen der großen Volksparteien mit ihrem Handeln auf europäischer Ebene vergleicht. Schade. Denn, wenn diese Kontrollaufgabe eines Tages vielleicht auch wahrgenommen wird, käme Steinbrück mit seiner oft wenig konstruktiven Politik auf EU-Ebene sicherlich weniger gut durch. Damit stiegen dann auch die Chancen einer EU-Steuer.

CDU demands next German Commissioner

Werner Langen, leader of the CDU/CSU group in the European Parliament commented on the selection of the next EU Commissioner:

According to Frankfurter Allgemeine Zeitung of today, Langen says that there is no deal with the SPD about the next Commissioner (being traded for SPD support for president Köhler). – I also think that the CDU has a point in demanding the post. As clearly Germany’s biggest party – and with highest likeliness to lead also the next government after 2009 it only makes sense to send one of their own “to Brussels”. FAZ mentions three potential candidates for the post: Peter Hintze, Roland Koch and Elmar Brok. – My guess is that Hintze has the best chances but there is another interesting candidate who doesn’t push himself into the speculations yet.

When asked about a second term for Barroso, Langen is also quite reluctant to support him. Apparently, according to Portugese newspaper “Publicos” Merkel favours Barroso as president of the European Council (while I still argue that those two posts should be merged in any case).

This is the first time that I read such an explicit demand for the Commission post from a ranking CDU politician. However, let’s not overestimate Langen’s role in the party. Merkel will carefully evaluate the situation with her advisers later in the year. And if she is really up for a strategic move, she will present a Commissioner from the CDU with who the Greens can be appeased (both by his personality as well as by offering jobs in the cabinet and alike) – so as to open doors for any kind of CDU-Green coalition option in 2009.