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Bürgermeisterwahl Pinneberg: How to loose a safe election

Szenario

Bürgermeisterdirektwahl in einer schleswig-holsteinischen Kreisstadt (“Pinneberg”) mit rund 42.000 Einwohnern. Die Stadt liegt im Umland/Speckgürtel einer europäischen Großstadt. Sie wird v.a. von der Mittelklasse bewohnt und weist keine besonderen Abweichungen von westdeutschen Sozial- und Wirtschaftscharakteristika auf.

Kandidatenlage

Horst-Werner NittFünf Bewerber treten um den Posten des Bürgermeisters an. Unter den fünf ist der parteilose Amtsinhaber (“Nitt“, Foto links), der seit 1996 die Verwaltung leitet und sich mit entscheidenden Leuten in der Stadt gutgestellt hat. Daneben schickt die SPD eine externe Verwaltungsfachfrau (“Alheit“) ins Rennen. Weitere Kandidaten sind ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung (“Schoula“), der leicht populistische Außenseiter (“Stachowski”) und der Unbekannte “Struck”. Die mit Abstand stärkste Fraktion in der örtlichen Ratsversammlung, die CDU, hat sich nach einiger Zeit (und etwas halbherzig) ebenso wie die FDP hinter Kandidat Schoula gestellt, dessen Partnerin auch für die CDU bei den Kommunalwahlen kandidiert.

Chancen

Auf Grund fehlender Umfrageindikatoren ist die öffentliche Meinung stark durch den Einfluss lokaler Multiplikatoren (z.B. der Fraktionen in der Ratsversammlung) und die örtliche Presse geprägt. Zu Anfang des Wahlkampfes haben sowohl die Fraktionsexperten wie auch die Presse hinter vorgehaltener Hand dem amtierenden Bürgermeister beste Chancen auf Wiederwahl eingeräumt. Die Frage war lediglich, ob er es in der ersten Runde oder durch Stichwahl schafft. Der Redaktionsleiter der größten Zeitung im Ort (“Pinneberger Tageblatt”) stand relativ eindeutig hinter dem Amtsinhaber.

Und wie konnte diese sichere Wahl nun für Kandidat Nitt noch verloren gehen? Continue reading

Pinneberg hat seine erste Bürgermeisterin – die lachende Dritte

Pinneberg hat seine erste Bürgermeisterin. Herzlichen Glückwunsch, Frau Alheit und willkommen in Pinneberg!

Kristin AlheitKristin Alheit (SPD) hat gestern schon die erste Runde der Bürgermeisterdirektwahl völlig überraschend mit 58% für sich entschieden. Sowohl das Pinneberger Tageblatt wie auch die Pinneberger Zeitung sprechen ihr heute einen engagierten Wahlkampf und hohe Kompetenz zu. Zwar spiegelt Alheits Werdegang nicht den gewissen Kick wider, den ich mir vom idealen Bürgermeister wünsche. Auf der anderen Seite bringt Alheit eine solide Erfahrung aus Ministerien- und Verwaltungsebene mit. Vielleicht kann man zu ihrer Charakterisierung auf Schröders Ansatz “Wir machen nicht alles anders, aber vieles besser” zurückgreifen. – Immerhin hat sie als einzige der fünf Kandidaten eine (für Pinneberger Verhältnisse) überzeugende Website aufgebaut und während des Wahlkampfes genutzt (inkl. Youtube Video von ihrem gemeinsamen Auftritt mit Ypsilanti in Pinneberg). Frau Alheit wird die Welt nun nicht verändern, aber mit solch einem Ergebnis – und den erfahrenden Granden der Pinneberger SPD – im Rücken wird sie der Stadt eine solide Bürgermeisterin sein können. Zu hoffen bleibt, dass ihr Erfolg auch für die Kommunalwahl am 23. Mai eine Trendwende einläutet und die konservative Mehrheit in der Stadt eindeutig beendet.

Letztlich bin ich mir aber sicher, dass Frau Alheit ohne den Aktenskandal aus der letzten Woche, die Wahl nie so deutlich für sich entschieden hätte. Mehr dazu hier in meinem Blog. Die Zahlen zum Wahlergebnis sind hier.

Ergebnis der Pinneberger Bürgermeisterwahl vom 27. April 2008

Das Volk hat gesprochen. Kristin Alheit gewinnt die Pinneberger Bürgermeisterwahl in der ersten Runde und wird damit im Juni die erste Bürgermeisterin Pinnebergs.

Auf der Website der Stadt Pinneberg findet sich das Endergebnis. Außerdem berichten heute Pinneberger Tageblatt, Uetersener Nachrichten und Pinneberger Zeitung.

Wahlergebnis Bürgermeisterwahl Pinneberg 2008